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Rechte und Selbstbestimmung

Frage 263

Was ist Sexualität?

Sexualität ist Teil des menschlichen Lebens und betrifft nicht nur den Körper. Sie bezieht sich auf die Gesamtheit von Gefühlen, Gedanken, Verhaltensweisen und en, die mit dem Erleben von Lust, Anziehung, Liebe und Fortpflanzung verbunden sind. Sie kann zum Beispiel Sex mit jemandem, Selbstbefriedigung, Zärtlichkeit, Lust, Nähe oder Geborgenheit bedeuten.

Wie du Sexualität erlebst, hängt von vielen Faktoren ab – unter anderem von deinen Werten und deiner Kultur, gesellschaftlichen Regeln, deinen Beziehungen zu anderen Menschen und davon, wie du dich selbst siehst und fühlst.

Es gibt ein breites, fließendes Spektrum, das die Anziehung, Lust und Auslebung von Sexualität sowie die eigene sexuelle beschreibt. Zum Beispiel:

Sexualität ist für jeden Menschen anders und kann sich im Laufe des Lebens verändern – je nachdem, in welcher Lebensphase du bist, welche Erfahrungen du machst und was du magst oder nicht magst. Es gibt kein „richtig“ oder „falsch“, solange niemand zu etwas gezwungen wird und es keinen Druck oder Gewalt gibt. Sexualität gehört auch zur eigenen . Sie hilft dabei, sich selbst besser kennenzulernen und die eigene Persönlichkeit zu entwickeln. Jede Person erlebt Sexualität anders und das ist vollkommen okay.

Frage 264

Was ist Reproduktion?

Reproduktion bedeutet Fortpflanzung, also dass Menschen Kinder bekommen.

Frage 265

Was ist sexuelle Gesundheit? Was ist reproduktive Gesundheit? Ist das das gleiche?

Sexuelle und reproduktive Gesundheit meint das körperliche, seelische und soziale Wohlbefinden in allen Fragen von Sexualität, Fortpflanzung und Familienplanung. Menschen sollen selbstbestimmt und ohne Zwang über Sexualität, Partnerschaft und Kinderwunsch entscheiden können.

Sexuelle Gesundheit und reproduktive Gesundheit hängen eng zusammen, weil sie sich gegenseitig beeinflussen. Sie meinen aber nicht dasselbe. Sexuelle Gesundheit betrifft das Wohlbefinden rund um Sexualität allgemein. Reproduktive Gesundheit konzentriert sich auf Fortpflanzung, Schwangerschaft, Geburt und Familienplanung.

Sexuelle Gesundheit umfasst zum Beispiel Aufklärung, ein positives und sicheres Erleben von Sexualität, Schutz vor sexuell übertragbaren Infektionen und den respektvollen Umgang mit eigenen Grenzen und Bedürfnissen.

Reproduktive Gesundheit kümmert sich um Gesundheit in Fragen der Fortpflanzung, also etwa Verhütung, Kinderwunsch, Schwangerschaft, Geburt und Zugang zu sicheren medizinischen Leistungen in diesem Bereich.

Frage 266

Was sind sexuelle und reproduktive Rechte?

Sexuelle und reproduktive Rechte sind Menschenrechte. Sie sorgen dafür, dass Menschen frei entscheiden können, wie sie mit ihrer Sexualität und mit Kinderwunsch umgehen. Diese Rechte haben alle – egal welches , welche Herkunft, welches Alter oder welche oder du hast.

Sexuelle Rechte umfassen:

  • Recht auf umfassende Aufklärung in Sachen Sexualität. Aufklärung hilft dir, gute Entscheidungen über deine Sexualität, deine Beziehungen und deine Gesundheit zu treffen.

  • Recht darauf, frei zu wählen, wen du liebst oder ob und mit wem du eine Beziehung haben möchtest.

  • Recht darauf, vor sexueller Gewalt geschützt zu werden.

  • Recht auf Gleichbehandlung: Niemand darf wegen seiner sexuellen Orientierung oder seiner Geschlechtsidentität benachteiligt werden.

  • Recht auf Privatsphäre

Sexuelle und reproduktive Rechte sind die Grundlage, um Sexualität ohne Angst oder Einschränkungen auszuleben sowie ein erfülltes, selbstbestimmtes und gesundes Leben zu führen.

Niemand darf dir deine Sexualität verbieten oder dir vorschreiben, wie du sie leben sollst!

Ausführlichere Informationen findest du hier.

Reproduktive Rechte sind Rechte rund um Schwangerschaft, Verhütung, Familienplanung. Das bedeutet: Menschen dürfen selbst entscheiden, ob, wann und wie viele Kinder sie haben wollen. Dazu gehört auch, Verhütungsmittel, Informationen und medizinische Hilfe frei von Zwang und Diskriminierung zu bekommen.

Frage 267

Manche Frauen mussten in ihren Herkunftsländern eine Genitalverstümmelung erleiden: Hat das Auswirkungen auf die sexuelle Gesundheit?

Ja, eine Genitalverstümmelung (auch bekannt als weibliche Genitalbeschneidung oder Female Genital Mutilation and Cutting – FGM_C) kann viele starke Auswirkungen auf die körperliche und psychische Gesundheit haben – auch auf die Sexualität.

Je nach Art und Ausmaß der Beschneidung können verschiedene Probleme bestehen:

  • Schmerzen beim Sex oder beim Einführen von Tampons oder bei ärztlichen Untersuchungen

  • Vermindertes sexuelles Empfinden, weil empfindliche Bereiche verletzt oder entfernt wurden

  • Angst, Scham oder traumatische Erinnerungen, die die Lust nehmen können

  • Probleme in Partnerschaften, wenn Sexualität belastet ist

  • Probleme bei Schwangerschaft und Geburt

  • Infektionen wie HIV oder Hepatitis

Wichtig ist: Du bist nicht alleine damit. Es gibt spezialisierte Ärztinnen, Beratungsstellen und Therapeutinnen, die sich mit dem Thema auskennen und dich ernst nehmen. Sie können medizinisch, psychologisch und auch juristisch helfen.

Genitalverstümmelung ist in Deutschland verboten und eine schwere Menschenrechtsverletzung. Auch wenn es bereits in der Kindheit passiert ist. Jede hat das Recht auf Unterstützung und Behandlung. Es gibt Möglichkeiten zur medizinischen Rekonstruktion und du kannst Hilfe bei der Behandlung von Beschwerden bekommen. Falls nötig, kann auch eine Sprachmittlung organisiert werden. Dazu kannst du dich auch anonym beraten lassen.

Frage 268

Was ist Gender? Was sind Geschlechtsidentität und Geschlechtsausdruck?

Der Begriff Gender wurde aus dem Englischen übernommen und bedeutet soziales Geschlecht – anders als “Sex”, was biologisches Geschlecht (zum Beispiel Vulva, Eierstöcke, Gebärmutter, Östrogen oder Penis, Hoden, Prostata, Testosteron) in der englischen Sprache meint. Gender beschreibt, wie Geschlecht in einer Gesellschaft gelebt, erwartet und bewertet wird, also nicht nur biologische Unterschiede. Erwartungen und Zuschreibungen von Geschlecht (z. B. gegenüber Männern und Frauen) sind kulturabhängig und veränderbar.

Geschlechtsidentität meint das innere, persönliche Gefühl einer Person, zu welchem Geschlecht sie sich zugehörig fühlt. Das kann männlich, weiblich sein oder außerhalb der binären Norm liegen. So identifizieren sich Menschen unabhängig vom Geschlecht, das bei der Geburt bestimmt wurde, auch als nicht-binär, agender, genderfluid oder trans*. Menschen bei denen die innere Geschlechtsidentität mit der Geschlechtszuordnung bei der Geburt übereinstimmt, nennt man cis. Die Geschlechtsidentität kann also vom gesellschaftlich zugewiesenen oder biologischen Geschlecht abweichen.

Geschlechtsausdruck bedeutet, wie deine Geschlechtsidentität wahrgenommen wird bzw. wie du sie nach außen zeigst, zum Beispiel durch Aussehen, Verhalten oder Körpersprache. Der Geschlechtsausdruck kann unabhängig vom biologischen und sozialen Geschlecht sein. Du kannst also nicht sicher sagen, welche Geschlechtsidentität eine Person hat, nur weil du ihren Geschlechtsausdruck siehst. Eine Person kann zum Beispiel wie ein „Mann“ aussehen, aber eine „Frau“ sein.

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