Testen und Beratung
Wann und warum sollte ich mich auf STI (Sexuell übertragbare Infektionen) testen lassen?
Ein Test auf sexuell übertragbare Infektionen (STIs) wird empfohlen, wenn:
du Symptome hast, wie z. B. Ausfluss, Juckreiz, Brennen, Schmerzen beim Sex oder Urinieren, Hautveränderungen im Intimbereich. Dann solltest du keine Zeit verlieren und in einer Arztpraxis gehen
du ungeschützen Sex mit einer Person hattest, die positiv getestet wurde
bei höherem Risiko, z. B. wenn du ungeschützten Sex mit wechselnden und/oder anonymen Partner:innen hast, auf Sexparties gehst, bei Chemsex
du Sexarbeiter:in bist (mehrmals im Jahr)
du die PrEP nimmst mehrmals im Jahr (das bespricht aber dein Arzt oder deine Ärztin mit dir)
du schwanger bist. Tests auf STI gehören zu den Vorsorgeuntersuchungen in der Schwangerschaft. Getestet wird unter anderem auf Syphilis, HIV, Chlamydien.
Manche Menschen lassen sich routinemäßig zum Beispiel einmal jährlich testen – auch ohne konkreten Anlass wie zum Beispiel Symptome. Sie wollen so Verantwortung für die eigene Gesundheit übernehmen und für Prävention und Transparenz in Partnerschaften sorgen. Bei monogamen, stabilen Partnerschaften könnt ihr einen gemeinsamen Test machen, wenn ihr euch bei ungeschütztem Sex miteinander sicher fühlen wollt.
Solche vorbeugenden Tests werden leider nicht von der Krankenkasse bezahlt. Informationen dazu findest du bei Frage 103.
FAZIT
Viele STIs verlaufen ohne Symptome – man merkt sie nicht, aber man kann andere anstecken. Wenn man STI früh erkennt, kann man die meisten Infektionen gut behandeln. Ein Test schützt dich nicht nur selbst, sondern auch deine Sexpartner:innen!
Wer wird in Deutschland auf STIs getestet und warum?
STI-Tests in Deutschland sind freiwillig. Sie werden aber folgenden Personengruppen geraten und die gesetzliche Krankenversicherung übernimmt die Kosten für einen Test bei:
Schwangeren im Rahmen der Vorsorgeuntersuchungen, um eine Infektion frühzeitig zu erkennen und zu behandeln. Damit lässt sich die Ansteckung und Schädigung des Kindes vermeiden. Außerdem können STI sich auf den Schwangerschaftsverlauf auswirken, zum Beispiel verursachen.
Menschen mit Symptomen wie Brennen, Jucken, Ausfluss, Schmerzen im Genitalbereich
Menschen, deren Sexpartner:innen eine STI haben,
PrEP-Nutzer:innen, da die PrEP nur vor HIV, aber nicht vor anderen STI schützt
Sexuell aktive Frauen bis 26 Jahre können sich einmal im Jahr auf Chlamydien testen lassen. Grund: Die meisten Frauen mit einer Chlamydieninfektion spüren nichts davon. Unbehandelte Chlamydieninfektionen können der und der Eileiter verursachen und zu Unfruchtbarkeit führen.
Menschen über 35 Jahren (mit gesetzlicher Krankenversicherung) dürfen sich einmalig auf Hepatitis B und C testen lassen. Grund: Infektionen mit Hepatitis B und C verlaufen oft ohne Krankheitszeichen und werden daher ohne Test nicht erkannt. Eine unbehandelte chronische Hepatitis kann gravierende Spätfolgen wie Leberzirrhose oder Leberkrebs nach sich ziehen.
Bei Frauen und anderen Personen mit ab 20 Jahren gehört die regelmäßige Untersuchung auf HPV zur gynäkologischen Früherkennung dazu.
FAZIT: In Deutschland übernimmt die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) die Kosten für einen Test, wenn du Symptome hast oder wenn eine medizinische Begründung vorliegt. Wenn du nicht krankenversichert bist, findest du hier Antwort.
Ohne Symptome oder einen konkreten medizinischen Grund gilt ein Test meist als Vorsorge – und muss selbst bezahlt werden. Manche Ärzt:innen bieten die Tests dann als sogenannte („Individuelle Gesundheitsleistungen“) an. Das sind Angebote, die nicht von der gesetzlichen Krankenkasse übernommen werden und daher privat bezahlt werden müssen. Je nach Umfang kosten solche Tests etwa 50-200 €.
Das Problem: Manchmal informieren Ärzt:innen nicht darüber, dass die Krankenkasse die Kosten für Tests übernimmt, wenn Symptome oder ein anderer medizinischer Anlass vorliegen. Der Test wird einfach als Selbstzahler-Leistung angeboten – ohne zu prüfen, ob die Kasse eigentlich zahlen müsste.
Deshalb ist es wichtig, deine Rechte zu kennen. Wenn du Symptome hast oder Kontakt zu einer infizierten Person hattest, darf dir der Test nicht in Rechnung gestellt werden. Frag ruhig nach, zum Beispiel: „Wird der Test von meiner Krankenkasse übernommen?“ „Warum empfehlen Sie mir diesen Test – oder warum nicht?“
Eine Übersicht über kostenlose oder günstige Testangebote in Berlin, auch in verschiedenen Sprachen findest du hier.
Wer wird in Deutschland nicht kostenlos getestet?
STI-Tests werden in Deutschland nur bezahlt, wenn du Symptome hast, einer vulnerablen deten Gruppe angehörst (z. B. Sexarbeiter:innen oder Männer, die Sex mit Männern haben) oder ein anderer medizinischer Grund vorliegt. Mehr Informationen dazu findest du bei Frage 103.
Viele Frauen, Menschen, Migrant:innen oder Menschen ohne Versicherung bekommen oft keine Testangebote, auch wenn sie durch ihr Sexualleben ein Risiko haben und sie sich testen lassen wollen.
Manche Ärzt:innen raten sogar von Tests ohne Symptome ab – wegen der Kosten oder weil sie denken, dass die Person keine Behandlung braucht. Aber globale Leitlinien zur öffentlichen Gesundheit empfehlen Tests, weil unbehandelte STIs, z.B. Tripper, ernsthaft schaden können.
Organisationen wie Safer Sex Berlin kämpfen dafür, dass Tests für alle zugänglich sind. Du kannst dich auch bei Community- oder Migrant:innenorganisationen, queer- und -freundlichen Ärzt:innen oder Orten wie Sidekicks Berlin, queermed-deutschland.de, der Clearingstelle oder den Zentren für sexuelle Gesundheit informieren.
Internationale Standards empfehlen: Jede Person mit mehreren oder neuen Partner:innen sollte sich testen lassen. Wenn du das machst, bist du nicht paranoid – du bist klug.
Du verdienst eine Versorgung, die zu deinem Körper und deinem Leben passt!
Muss ich bei einem positiven STI-Test die Kosten für die Behandlung selbst übernehmen?
Wenn du gesetzlich krankenversichert bist und deine Ärztin oder Arzt den Test verordnet hat, (z. B. weil du Symptome hast oder zu einer Risikogruppe gehörst), dann zahlt die Krankenversicherung auch die Behandlung.
Wenn du gesetzlich krankenversichert bist und den Test z. B. in einem Zentrum für sexuelle Gesundheit gemacht hast und ein positives Testergebnis bekommst, dann gibt es zwei Möglichkeiten der Behandlung:
Selbstzahlung: Der oder die behandelnde Ärzt:in im Zentrum stellt dir ein Privatrezept aus, das du dann in der Apotheke selbst bezahlen musst.
Kassenrezept: Du gehst mit dem Testergebnis in eine ärztliche Praxis und bittest um ein Kassenrezept für das Medikament. In diesem Fall musst du höchstens eine Zuzahlung leisten. Es kann aber passieren, dass der Arzt oder die Ärztin dich nochmal testen möchte.
Manche Gynäkolog:innen wollen nur wenige Tests durchführen. Warum? Was kann ich tun?
Leider gibt es immer wieder Berichte, dass Gynäkolog:innen sich nicht für STI-Testungen verantwortlich fühlen und nicht darauf vorbereitet sind, ohne Vorurteile über das Thema zu sprechen. Das hat vielleicht mit alten Rollenbildern zu tun, die Frauen oder Menschen mit und Vagina kein aktives Sexleben außerhalb einer festen Beziehung zugestehen oder damit, dass STI Tests eher mit Ärzt:innen für Haut-und Geschlechtskrankheiten verbunden werden. Vielleicht sehen aber Gynäkolog:innen ihre Rolle auch mehr in der Geburtsbegleitung oder in der Krebsvorsorge. Mehr Informationen dazu findest du in diesem Beitrag.
Wenn du dich in einer gynäkologischen Praxis nicht gut aufgehoben fühlst, kannst du immer wechseln. Du kannst auf Seiten wie queermed-deutschland.de und gynformation.de nach Ärzt:innen suchen, die dich ernst nehmen. Besonders Menschen, Migrant:innen, und Personen haben es oft schwer, wenn sie medizinische Hilfe brauchen. Es gibt viele Hindernisse, wie Sprache oder Vorurteile, die es erschweren können, die richtige Behandlung zu bekommen. Das führt dazu, dass viele Menschen keine Diagnose bekommen oder nicht richtig behandelt werden. Manchmal wird ihnen sogar gesagt, dass sie selbst für ihre Symptome verantwortlich sind.
Bei Frage 103 und 104 erklären wir, wann in Deutschland die Kosten für einen STI-Test übernommen werden und bei Frage 107 erfährst du, wo und wie du dich in Berlin testen lassen kannst.
Es ist wichtig, dass du deine Rechte kennst!
Wie und wo kann ich mich auf STI (Sexuell übertragbare Infektionen) testen lassen?
Wenn du krankenversichert bist und Symptome hast oder bei medizinischer Begründung, kannst du zu Frauenärzt:innen, Fachärzt:innen für Haut- und Geschlechtskrankheiten oder Urolog:innen gehen. Sie sollten dir einen STI-Test anbieten. Diesen Test bezahlt in diesem Fall die Krankenkasse. Mehr Informationen findest du bei Frage 103.
Wenn du keine Krankenversicherung hast, findest du Antwort bei Frage 115. Eine Übersicht über weitere kostenlose oder günstige Testangebote in Berlin findest du hier:
safersexberlin.com/en/get-tested (Berlin-Karte mit Testangeboten und Erfahrungsberichte aus der Community)
Wie funktionieren Tests für Zuhause (Selbsttests) und wo bekomme ich sie?
Selbsttests für zuhause kannst du zum Beispiel in der Apotheke oder online kaufen. HIV-Selbsttests gibt es auch in einigen Drogerien. Einige STI-Tests prüfen nur eine Infektion, andere mehrere Infektionen. Bei Selbsttests nimmst du selbst eine Probe. Je nach Test und Infektion kann das Urin, ein Abstrich aus der oder dem Anus oder ein kleiner Tropfen Blut aus dem Finger sein. Die genaue Anleitung ist dem Test beigelegt. Auch hier findest du eine Anleitung und Informationen zum Selbsttest.
Dann schickst du die Probe in das Labor, das auf dem Test angegeben ist. Die Ergebnisse bekommst du nach ein paar Tagen online oder per E-Mail. Es gibt außerdem Selbsttests für zuhause, die das Testergebnis ohne Labor anzeigen. Diese sind aber manchmal nicht so sicher wie die Ergebnisse aus dem Labor. Aber auch die Laborergebnisse können fehlerhaft sein, wenn zum Beispiel die Probe nicht korrekt entnommen wurde.
Es gibt auch Selbsttests mit einem Beratungsgespräch, zum Beispiel bei www.sam health.de. Hier kannst du nach der Registrierung in einem kurzen Videogespräch mit Fachpersonal über deine Risiken sprechen und sicher sein, dass du auf die richtigen sexuell übertragbaren Infektionen getestet wirst.
Falls du STI Symptome wie Ausfluss, Juckreiz, Brennen, Schmerzen beim Sex oder Urinieren, Hautveränderungen im Intimbereich hast, solltest du auf alle Fälle eine Arztpraxis aufsuchen! Informationen dazu findest du bei Frage 102 und 103. Der Arzt oder die Ärztin weiß, welche Tests notwendig sind und wie sie korrekt durchgeführt werden. Die Testergebnisse sind zudem zuverlässiger als bei den Selbsttests und du bekommst die passenden Medikamente gleich verschrieben.
Wie finde ich Testangebote in meiner Sprache und auch nach 18 Uhr?
Du findest eine Liste mit vielen Testangeboten in Berlin auf verschiedenen Sprachen und zu unterschiedlichen Öffnungszeiten bei der Netzwerkstelle für sexuelle Gesundheit:
Wo finde ich verständnisvolle, kultursensible Testangebote?
Die Testangebote der Zentren für sexuelle Gesundheit und der Berliner Aidshilfe bemühen sich, verständnisvoll und kultursensibel zu arbeiten.
Bei der Netzwerkstelle für sexuelle Gesundheit findest du eine Übersicht. Bei Safer Sex Berlin findest du eine Berlin-Karte mit Testangeboten und Erfahrungsberichten aus der Community.
Wo können sich cis Frauen testen lassen, auch über die Basics hinaus?
Wenn du Symptome hast (und eine gesetzliche Krankenversicherung), hast du das Recht auf einen kostenlosen Test in einer Arztpraxis. Die gesetzliche Krankenversicherung übernimmt dann die Kosten – kenne deine Rechte und bezahle den Test nicht selbst!
Es ist aber nicht immer einfach, den passenden Test zu bekommen. Viele Ärzt:innen – auch manche Frauenärzt:innen – sind keine Expert:innen für sexuell übertragbare Infektionen oder nehmen die Fragen und Bedürfnisse von Frauen nicht ernst, besonders wenn sie nicht zur Gruppe mit „erhöhtem Risiko“ gezählt werden. Mehr Informationen dazu findest du hier.
In Berlin setzen sich verschiedene Community-Organisationen dafür ein, den Zugang zu sexueller Gesundheitsversorgung für Frauen und andere -Personen zu verbessern. Mehr Informationen zum Thema und eine Übersicht über kostenlose oder niedrigschwellige Testangebote findest du auf: www.safersexberlin.com und bei der Netzwerkstelle für sexuelle Gesundheit.
Gibt es rechtliche Ansprüche auf Tests?
Sind STI-Tests anonym?
Wenn du dich in einer Arztpraxis testen lässt, wird diese Information in deiner Krankenakte vermerkt und der Test ist nicht anonym. Wenn du lieber anonym testen möchtest, gibt es in Berlin mehrere Möglichkeiten – zum Beispiel über die Zentren für sexuelle Gesundheit oder Community-Organisationen. Eine Übersicht findest du bei Frage 107.
HIV-Test: Was sind die einzelnen Schritte?
Ein HIV -Test ist schnell gemacht und besteht in der Regel aus nur wenigen Schritten:
Vorgespräch (optional): In manchen Teststellen bekommst du zuerst eine kurze Beratung. Sie erklären dir den Ablauf und du kannst Fragen stellen.
Probenentnahme: Meistens wird ein kleiner Tropfen Blut aus der Fingerkuppe genommen, manchmal auch eine Blutprobe aus der Armvene.
Ergebnis: Du bekommst das Ergebnis entweder direkt vor Ort (Schnelltest) oder wirst informiert, wenn das Laborergebnis da ist.
Nachbetreuung: Wenn das Ergebnis positiv ist (du also HIV hast), hilft dir die Teststelle bei der Bestätigung durch einen Labortest und stellt den Kontakt zur medizinischen Versorgung her.
Der Test ist vertraulich – und an vielen Stellen in Berlin kannst du dich sogar anonym und kostenlos testen lassen. Eine Übersicht über kostenlose oder günstige Testangebote in Berlin findest du bei Frage 107.
Information zum Selbsttest für Zuhause findest du bei Frage 108.
Kann ich mich auch ohne Krankenversicherung testen lassen?
Ja, du kannst dich auch ohne Krankenversicherung in Deutschland auf sexuell übertragbare Infektionen testen lassen, denn viele Angebote sind offen für alle. Einige Tests sind kostenlos, andere gegen eine kleine Spende oder einen festen Preis. Oft sind die Angebote einfach zu bekommen, queerfreundlich, und auf verschiedenen Sprachen. Eine Übersicht zu solchen Testangeboten findest du bei der Neztwerkstelle für sexuelle Gesundheit oder bei Sidekicks.berlin/hiv-sti-test. Unterstützungsangebote für Menschen ohne Papiere oder Wohnsitz gibt es bei der Clearingstelle
Eine andere Option sind Tests mit Selbstzahlung in einer Arztpraxis oder Selbsttests für Zuhause. Auch ohne Krankenversicherung kannst du dich in einer ärztlichen Praxis testen lassen – aber du musst die Tests selbst bezahlen (Preise je nach STI und Laborleistung – z. B. 20-100 € pro Test). Manche Praxen sind kooperativ und versuchen, die Kosten niedrig zu halten – am besten fragst du vorher.
Tipp: Auf Wo kann man sich auf HIV testen lassen? findest du eine Übersicht von HIV-Teststellen in ganz Deutschland in der Nähe zu deinem Wohnort.
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