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STI & HIV

PrEP und PEP

Frage 30

Was sind die Pre- und Postexpositionsprophylaxe (PrEP und PEP)?

Die Prä-Expositions-Prophylaxe (PrEP) und die Post-Expositions-Prophylaxe (PEP) sind Methoden, um eine HIV-Infektion zu verhindern. Hierzu werden Medikamente aus der HIV-Therapie genommen.

Mit der PrEP beginnst du VOR einem oder mehreren möglichen HIV-Risiken, um dich vor einer HIV-Infektion zu schützen.

Die PEP dagegen wird NACH einem möglichen Risiko eingenommen, zum Beispiel nach einem geplatzten Kondom beim Analsex mit einer möglicherweise HIV-positiven Person.

Für PrEP und PEP verwendet man die gleichen Wirkstoffe, die auch zur Behandlung von HIV eingesetzt werden. Wenn du die Medikamente nach Anleitung deiner Ärzt:in nimmst, sind PrEP und PEP sehr wirksam und gut verträglich. Für PrEP und PEP brauchst du immer ein Rezept. Wie und wo du die PrEP bekommst, erfährst du hier.

Frage 31

Wie funktioniert die PrEP?

Die PrEP (Prä-Expositionsprophylaxe) ist eine vorbeugende Methode. Mit ihr können sich HIV-negative Menschen vor einer möglichen Ansteckung mit HIV schützen. Für die PrEP-Medikamente braucht man in Deutschland immer ein Rezept. In Deutschland ist die PrEP nur in Tablettenform erhältlich.

Die PrEP-Medikamente enthalten meistens die Wirkstoffe Tenofovir und Emtricitabin. Nach der Einnahme gelangen die Wirkstoffe in den Magen und von dort in den Blutkreislauf und die verschiedenen Körperzellen. Dort blockieren sie die Vermehrung der HIV-Viren. Damit wird eine HIV-Infektion verhindert.

Die PrEP-Tablette muss täglich eingenommen werden und zwar wie folgt:

  • Vor einem Risiko, sich mit HIV zu infizieren, denn der Wirkstoff braucht eine bestimmte Zeit, bis er sich ausreichend für einen Schutz im Körper aufgebaut hat

  • während der Tage mit HIV-Risiko, um den Wirkstoffspiegel im Blut zu halten

  • Nach einem möglichen Infektionsrisiko, damit HI-Viren, die sich noch im Körper befinden können, weiter bekämpft werden. Nach der letzten Tablette baut sich das Medikament im Körper wieder ab.

Wie genau die PrEP eingenommen wird, hängt vor allem davon ab, welche Schleimhäute geschützt werden sollen. Mehr zur Einnahme erfährst du hier.

Wenn man die PrEP nach ärztlicher Anweisung einnimmt, schützt sie sehr sicher vor HIV. Aber: Die PrEP schützt nicht vor anderen sexuell übertragbaren Krankheiten!

Frage 32

Wie wird die PrEP eingenommen?

Wenn für dich die PrEP in Frage kommt, lässt du dich am besten von einer auf HIV spezialisierten Ärztin oder Arzt hierzu beraten. Hier erfährst du auch, wie du die PrEP einnehmen sollst. Die folgenden Informationen sind ohne Gewähr und dienen nur der Orientierung.

In Deutschland wird unterschieden zwischen einer:

  • täglichen PrEP oder kontinuierlichen PrEP: Man nimmt jeden Tag eine Tablette über einen längeren Zeitraum ein.

  • anlassbezogenen PrEP: Hier wird die PrEP täglich um den Zeitraum mit Ansteckungsgefahr herum eingenommen.

Die Medikamente sind für beide PrEPs gleich. In beiden Fällen muss die PrEP täglich genommen werden. Bei der anlassbezogenen PrEP ist die Einleitungsphase sehr kurz. Dafür werden dann zwei Tabletten statt einer zwei bis 24 Stunden vor einem HIV-Risiko genommen.

In Deutschland richten sich die meisten Ärzt:innen nach den deutsch-österreichischen Leitlinien. Diese Leitlinien empfehlen nur die kontinuierliche PrEP, weil sie von den Arzneimittelbehörden dafür zugelassen und am sichersten ist.

Einnahme bei der kontinuierlichen PrEP (auch tägliche PrEP genannt):

Phase 1 Schutzaufbau

Du beginnst 7 Tage vor dem ersten Risiko mit einer Tablette

  • Schutz in den Schleimhäuten des Darms und des Penis entsteht wahrscheinlich nach 3 Tagen.

  • Schutz in der Schleimhaut der entsteht wahrscheinlich nach 7 Tagen

  • Für Personen mit Neo-Penissen oder werden keine Aussagen getroffen: es gibt nur wenig Forschung dazu.

Phase 2 Schutzphase:

Du nimmst täglich immer zur gleichen Zeit eine Tablette.

Phase 3 Beendigung der PrEP: Um mit der PrEP aufzuhören, muss die PrEP einige Tage nach dem letzten Risiko weiter genommen werden:

Die weitere Einnahme der Medikamente ist erforderlich, um HI-Viren zu bekämpfen, die sich noch im Körper verstecken können.

Einnahme bei der anlassbezogenen PrEP/PrEP (on demand)

Die anlassbezogene PrEP wird von den Leitlinien nicht empfohlen, weil sie außerhalb der Zulassung der Arzneimittelbehörde “” erfolgt. Bei der anlassbezogenen PrEP nimmst du die Tabletten nur vor, während und nach den Tagen mit Sex, wenn du zum Beispiel einen gewissen Zeitraum mit viel Sex wie eine Sexparty oder einen Urlaub mit viel Sex planst. Die Annahme hängt von der Sexpraktik ab und ist wie folgt:

  • Bei Analsex: ○ 2 Tabletten 2 bis 24 Stunden vor dem Sex ○ Anschließend täglich zur gleichen Uhrzeit eine Tablette während der aktiven sexuellen Phase ○ Nach dem letzten Risikokontakt mindestens 2 weitere Tage je eine Tablette

  • Bei Vaginalsex: ○ Die anlassbezogene PrEP wird in den deutsch-österreichischen Leitlinien nicht für Vaginalsex empfohlen, da sie vermuten, dass der Schutz sich langsamer in den Schleimhäuten der aufbaut als im Darm. ○ Neuere Empfehlungen wie die britischen Leitlinien oder die Einnahmeempfehlungen der Deutschen Aidshilfe gehen aber davon aus, dass sich der Schutz in der genauso schnell aufbaut wie im Darm. ○ Wie beim Analsex sollten 2 Tabletten 2-24 Stunden vor dem Sex eingenommen werden. ○ Nach dem letzten Risikosex sollte die PrEP noch 7 Tage eingenommen werden.

Nach neueren Erkenntnissen schützt der Wirkstoff vor allem im Blut und nicht nur in den Schleimhäuten. Im Blut baut er sich wesentlich schneller auf. Hier findest du eine gute Übersicht zu den neuen Entwicklungen, den britischen Leitlinien und der Einnahmeempfehlung der Deutschen Aidshilfe.

Tipp: Die Tabletten regelmäßig, zur gleichen Zeit und zu Mahlzeiten nehmen. Nach den Mahlzeiten sind sie besser verträglich. Bei Problemen sprich mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.

In einigen Ländern gibt es die PrEP auch als Spritze, die nur alle paar Monate gegeben wird. Diese Langzeit-PrEP gibt es in Deutschland noch nicht.

Frage 33

Wo und wie bekommt man die PrEP?

Für die PrEP brauchst du immer ein Rezept von einer Ärztin oder einem Arzt! Nur Praxen mit spezieller Ausbildung dürfen die PrEP verschreiben. Das sind vor allem HIV-Schwerpunktpraxen oder speziell geschulte Ärzt:innen. Hier kannst du nach solchen Praxen suchen.

Es gibt verschiedene Regeln:

Für gesetzlich Versicherte:

  • Nur bestimmte Praxen mit spezieller Ausbildung dürfen die PrEP verschreiben.

  • Wenn du ein hohes Risiko hast, dich mit HIV zu infizieren, bezahlt die Krankenversicherung die Untersuchungen und die Medikamente.

  • Das Rezept kannst du in jeder Apotheke einlösen. In der Regel muss man 5-10 Euro Zuzahlung bezahlen.

Für Privatversicherte:

Frage deine Versicherung, ob sie die PrEP bezahlt. Wenn nicht, musst du die Kosten selbst zahlen.

Keine Krankenversicherung oder wenig Geld:

  • Du kannst in die Zentren für sexuelle Gesundheit gehen. Dort bekommst du Beratung, die notwendigen Untersuchungen und ein Privatrezept, das du selbst bezahlen musst. Eine Monatspackung kostet etwa 40–70 €.

  • Bei der Clearingstelle kannst du prüfen lassen, ob du eine Krankenversicherung bekommen kannst. In manchen Fällen bezahlt die Clearingstelle das Rezept.

Erstverschreibung: Wenn du das erste Mal die PrEP verschrieben bekommen möchtest, führt die Ärzt:in mit dir zunächst ein Beratungsgespräch durch. Dabei wird zum Beispiel geklärt, ob du ein hohes Risiko hast, wie das Verfahren ist und ob die PrEP der richtige Weg für dich ist. Außerdem werden die Einnahme der PrEP und ihre Risiken und Nebenwirkungen besprochen. Wenn ein hohes Risiko für HIV-Infektionen vorliegt, kann die Ärztin die PrEP verschreiben.

Zudem finden Untersuchungen zu den Leber- und Nierenwerten und ein HIV-Test statt. Nur wenn der HIV-Test negativ ist, darf die PrEP verschrieben werden. Auch andere STI-Tests werden durchgeführt.

Auch während der Einnahme werden alle drei Monate medizinische Untersuchungen durchgeführt.

Frage 34

Wer bekommt die PrEP in Deutschland?

In Deutschland können Menschen ab 16 Jahren, die eine Krankenkasse und ein hohes HIV-Risiko haben, die PrEP verschrieben bekommen, wenn ihr HIV-Test negativ ist. Anspruch auf die PrEP haben nach den Kriterien der gesetzlichen Krankenkassen zum Beispiel:

  • Männer und Personen, die Analsex ohne Schutz haben

  • Menschen, deren Partner:innen HIV-positiv sind und keine Therapie haben

  • Menschen, deren Partner:innen wahrscheinlich HIV haben

  • Menschen, die Drogen spritzen und keine sterilen Spritzen benutzen

Hauptsächlich bekommen Männer die PrEP, die Analsex mit Männern haben. Das liegt daran, dass diese Gruppe ein hohes Risiko für HIV hat und viele Studien den Schutz durch PrEP belegen. Andere Gruppen wie zum Beispiel Frauen mit hohem Infektionsrisiko profitieren bisher noch nicht ausreichend von der PrEP. Eine Erklärung hierfür ist, dass es weniger Studien zur PrEP (und anderen Medikamenten) bei Frauen gibt. Zudem kennen viele Menschen die Möglichkeit der PrEP noch nicht.

Empfohlen wird, dass Frauen mit hohen HIV-Infektionsrisiko Informationen zur PrEP auch in der gynäkologischen Praxis oder in der Reisemedizin erhalten. Leider sehen viele Gynäkolog:innen ihre Aufgabe nicht im Bereich der Prävention und Testung von STI und HIV.

Dass es ein langsames Umdenken in Bezug auf mögliche Zielgruppen für die PrEP gibt, wird auch in den britischen Leitlinien deutlich, an denen sich zum Beispiel die Deutsche Aidshilfe in ihren Empfehlungen orientiert. Diese Leitlinien schließen alle Menschen ein, die von einer PrEP profitieren könnten – egal welche Praxis oder sie haben. Das ist aber leider noch nicht Standard in Deutschland.

Wenn du Fragen zu deinem Risiko oder zur PrEP/PEP hast, hast du ein Recht auf klare und respektvolle Antworten. Auch mit Migrationsgeschichte oder ohne Krankenversicherung können PrEP bekommen.

Tipps und Unterstützung:

Ohne Krankenversicherung helfen zum Beispiel:

Frage 35

Wie funktioniert die PEP?

Die PEP ist eine 4-wöchige Notfall-Behandlung. Das heißt, sie dauert 28 bis 30 Tage. Sie soll nach einem möglichen HIV-Risiko eine HIV-Infektion verhindern– zum Beispiel nach Sex ohne Kondom, einem geplatzten Kondom oder bei gemeinsamem Drogenkonsum, wenn ein hohes Risiko für eine Infektion besteht. Wann eine PEP sinnvoll ist, erfährst du hier. Die PEP wirkt umso besser, je früher du mit der Einnahme der PEP anfängst! Am besten ist es, wenn man innerhalb von zwei Stunden beginnt, sonst möglichst innerhalb von 24 Stunden. Nach Ablauf von 48 Stunden ist es unsicher, ob die PEP noch wirkt.

Bei der PEP werden Medikamente aus der HIV-Therapie gegeben. Sie blockieren die Vermehrung des HI-Virus im Körper. Dadurch kann sich das Virus nicht im Körper einnisten und eine HIV-Infektion wird verhindert.

Frage 36

Wo bekommt man die PEP?

Wenn du denkst, dass du dich mit HIV angesteckt hast, gehe so schnell wie möglich in eine HIV-Schwerpunktpraxis (tagsüber) oder in die Notaufnahme bestimmter Krankenhäuser. Hier kannst du nach Kliniken mit PEP suchen und hier nach Schwerpunktpraxen.

Du brauchst keine Krankenversicherung und keinen Termin, weil das ein Notfall ist.

Frage 37

Gibt es Unterschiede und Besonderheiten für Personen mit Vagina?

Ja, die Empfehlungen zur Einnahme der PrEP für Menschen mit unterscheiden sich von denen für Menschen ohne . Mehr dazu erfährst du bei Frage 32.

Frage 38

Müssen Trans*personen bei der Einnahme von PrEP und/oder PEP etwas beachten und gibt es Wechselwirkungen mit Hormonen?

Die PrEP und die PEP wirken bei Trans*personen genauso wie bei allen anderen. Die Einnahme und die Wirkung hängen davon ab, welche Art von Sex du hast und wie der Wirkstoff in verschiedenen Schleimhäuten aufgenommen wird. Mehr Informationen dazu findest du bei Frage 32.

Studien wie diese aus dem Jahr 2020 und aus dem Jahr 2024 zeigen, dass die PrEP die Wirkung deiner Hormontherapie nicht verringert. Und deine Hormone beeinflussen auch nicht die Schutzwirkung der PrEP. Das gilt auch für die PEP. Die Medikamente funktionieren gut nebeneinander. Wenn du noch andere Medikamente einnimmst, kann es sein, dass deine Ärztin regelmäßige Kontrollen empfiehlt – nicht wegen möglicher Risiken, sondern um sicherzustellen, dass alles gut auf deinen Körper abgestimmt ist.

Eine hilfreiche deutschsprachige Infoquelle ist der Flyer „HIV-PrEP für trans*, nicht-binäre und inter* Personen – Einnahmeschema praxisnah erklärt“ von Alexander Hahne und Dr. Martin Viehweger.

Obwohl PrEP und PEP auch bei Personen gut wirken, informieren manche Ärzt:innen in Deutschland nicht klar und respektvoll über HIV-Prävention. Auch das Praxispersonal ist oft nicht auf die Bedürfnisse von Personen vorbereitet. Wenn du zusätzlich geflüchtet bist, kein gutes Deutsch sprichst oder keine Krankenversicherung hast, kann es noch mehr Hürden geben. Aber du hast das Recht auf gute Informationen, respektvolle Behandlung und Prävention, die zu deinem Körper und Leben passen.

Frage 39

Welche Nebenwirkungen haben die PrEP und die PEP?

Die meisten Menschen vertragen die PrEP und PEP gut. Aber wie bei allen Medikamenten kann es aber auch Nebenwirkungen geben.

Wenn du mit der PrEP anfangen möchtest, sprichst du normalerweise vorher mit einer Ärztin. Sie macht dann ein paar einfache Tests, zum Beispiel: Leber- und Nierenwerte, HIV-Test (PrEP darf nur verschrieben werden, wenn man HIV-negativ ist) und weitere STI-Tests.

Am Anfang der PrEP haben manche Menschen leichte Nebenwirkungen wie: Übelkeit, Kopfschmerzen, Müdigkeit, Bauchschmerzen. Diese Beschwerden gehen meist nach ein paar Tagen weg. Schwere Nebenwirkungen sind sehr selten.

Wenn du die PrEP länger nimmst, wird die Nierenfunktion kontrolliert, denn die PrEP kann schlecht für die Nieren sein. Wenn du eine Hormontherapie machst oder andere Medikamente nimmst, wird vielleicht auch öfter etwas kontrolliert – aber nicht, weil es besondere Risiken gibt, sondern einfach aus Vorsorge. Für die meisten Menschen ist die PrEP sicher.

Die PEP ist ein stärkeres Medikament, das du 28-30 Tage lang einnimmst. Wegen der stärkeren Wirkung haben manche Menschen stärkere Nebenwirkungen, zum Beispiel: Müdigkeit, Bauchschmerzen oder Stimmungsschwankungen. Diese Nebenwirkungen sind zwar unangenehm, gehen aber vorbei und zeigen, dass das Medikament wirkt, um HIV zu blockieren.

Wenn du Nebenwirkungen hast, die dir sehr unangenehm sind, solltest du die Einnahme nicht einfach stoppen. Hole dir Unterstützung: Sprich mit einer Ärztin, einem Arzt, in der Apotheke oder mit einer oder migrantischen Gesundheitsorganisation. Es ist völlig in Ordnung, Fragen zu stellen. Du hast das Recht auf eine Behandlung, die zu deinem Körper passt.